
Das amerikanische Planetenjäger-Team hat die Entdeckung eines extrasolaren Planeten bekannt gegeben, der unserem Jupiter in vielerlei Hinsicht gleicht. Der Planet umkreist den rund 60 Lichtjahre weit entfernten Stern HD 154345, der vom Typ G8V ist und damit etwas kleiner und leuchtschwächer als unsere Sonne strahlt. Der Planet HD 154345 b umkreist den Stern einmal in 9.15 Jahren auf einer nahezu kreisrunden Bahn (die Exzentrizität beträgt nur rund 0.04, vergleichbar mit Jupiter). Im Schnitt ist er dabei 4.2 Astronomische Einheiten von seinem Stern entfernt. Seine Masse beträgt 0.95 Jupitermassen (wobei es sich wie immer bei Entdeckungen mit der Radialgeschwindigkeitsmethode um eine Minimalmasse handelt). Zum Vergleich: Jupiter umkreist die Sonne einmal in 12 Jahren, in einer Entfernung von 5.2 Astronomischen Einheiten und hat, natürlich, 1 Jupitermasse.
Es wurden keinerlei Hinweise auf weitere grosse Planeten in dem System gefunden. In diesem System wäre es also gut denkbar, dass sich im Bereich zwischen HD 154345 b und seinem Stern einige terrestrische Planeten gebildet haben (so könnte es in etwa 0.8 AU Entfernung zum Stern einen erdähnlichen Planeten geben - dafür gibt es zur Zeit zwar keinerlei Hinweise, aber im Gegensatz zu vielen anderen Sternsystemen ist ein solcher Planet hier zumindest nicht ausgeschlossen).
Kein bisher entdeckter Exoplanet ist unserem Jupiter in so vielerlei Hinsicht so ähnlich - warum wird dieser Planet erst jetzt entdeckt? Zum einen, je weiter ein Planet von seinem Stern entfernt ist, desto länger dauert es, bis er ihn einmal umkreist hat. Die ersten Entdeckungen von Exoplaneten begannen im Jahr 1995, und es ist rund 10 Jahre her, seit "ernsthaft" (gemäss dem amerikanischen Planetenjäger-Team) mit der Suche begonnen wurde. In dieser Zeit hat der Jupiterzwilling seinen Stern einmal umkreist - gerade genug, um von den Entdeckern als Planet bestätigt zu werden. Zweitens sind andere Planeten, wie etwa "Hot Jupiters", die so gross wie Jupiter sind, ihren Stern aber in wenigen Tagen umkreisen, sehr viel einfacher zu entdecken sind: die Entdeckerteams haben also erst einmal all die einfachen Entdeckungen "abgegrast".
Der Fortschritt der Teleskoptechnik lässt vermuten, dass irgendwann im kommenden Jahrzehnt die Mittel bereit stehen werden, um allfällige kleinere (Fels-)Planeten im System direkt zu beobachten. Bis dahin beobachten die Planetenjäger das System weiter: vielleicht taucht ja auch noch das Signal eines Saturnzwillings auf...
Matthias Meier