Ein zweiter Asteroidengürtel jenseits der Neptunbahn.
Der Kuipergürtel, manchmal auch
Edgeworth-Gürtel oder
Edgeworth-Kuiper-Gürtel genannt, wurde zuerst von den Astronomen Kenneth Edgeworth und Gerhard Kuiper als Reservoir der kurzperiodischen
Kometen vorhergesagt. Sie vermuteten, dass sich jenseits der
Neptunbahn ein weiterer Asteroidengürtel aus eisigen Objekten verbergen könnte.
Kuipergürtel, der Orbit des Planetoiden Sedna und die Oortsche Wolke im Grössenvergleich (Bild aus der Wikipedia). Rechts klicken und "Grafik anzeigen" wählen, um das Bild in voller Auflösung zu betrachten.
Lange Zeit war
Pluto das einzige bekannte Objekt des Kuipergürtels, allerdings wurde er bis 1992 nicht als solcher erkannt. 1992 wurde das erste
Kuiperguertelobjekt (KBO) entdeckt. Diesem wurde der schöne Name 1992QB1 verliehen, was einige Astronomen dazu verleitete, solche Objekte künftig "Kubewanos" (gemäss der englischen Aussprache von QB1) zu nennen.
Der Kuipergürtel dehnt sich von der Bahn des Neptuns in 30
AU Entfernung zur Sonne bis zum
Kuiperkliff in 50 AU Entfernug zur Sonne, wo er relativ abrupt abbricht, aus und enthält eine gewaltige Anzahl an eisigen Objekten, deren Grösse bis an jene von Pluto heran reicht oder diesen im Fall von
2003UB313 sogar übertrifft. Man schätzt, dass es über 70 000 Objekte mit Durchmessern von mehr als 100 km gibt (zum Vergleich: im
Asteroidenguertel zwischen Mars und Jupiter sind knapp 200 Objekte mit Durchmessern über 100 km bekannt...)
Die Objkete des Kuipergürtels werden folgendermassen unterteilt:
* Klassische KBOs innerhalb des Gürtels
* Gestreute Objekte der "Scattered Disc" mit hohen Exzentrizitäten
* Plutinos: Wie Pluto stehen sie in einer 3:2-Resonanz zu Neptun
Manchmal werden die
Centauren zwischen Saturn und Neptun ebenfalls zum Kuipergürtel gerechnet. Weiter gibt es einige extreme Objekte wie
Sedna, die extrem grosse Halbachsen von bis zu 1000 AU haben und der Sonne nie näher kommen als 90 AU. Diese Objekte sind mit herkömmlichen Planetenbildungsmodellen des Sonnensystems nicht zu erklären. Sedna ist damit irgendwo zwischen dem Kuipergürtel und der Oortschen Wolke anzusiedeln.
Die Entstehung des Kuipergürtels geht auf die Anfangszeit des
Sonnensystems zurück. Es wird vermutet, dass die Objekte des Kuipergürtels sich in einem Bereich zwischen den heutigen Bahnen von
Jupiter und
Neptun gebildet haben und danach durch die Wanderung (
Migration) dieser Planeten in den heutigen Bereich geschleudert wurden. Einige Objekte, insbesondere die Klassichen KBOs, dürften jedoch bereits in diesem Bereich entstanden sein, anderseits liessen sich ihre kreisförmigen Orbits nicht erklären.
Einige der Objekte wurden vielleicht auch zu Monden der Gasriesen.
Der nach Aussen wandernde Neptun hätte dann einige der Objekte im Gürtel (die sogenannten Plutinos) in resonante Bahnen gezwungen (darunter auch Pluto). Ungeklärt ist bis heute die hohe
Inklination einiger KBOs. Es wird spekuliert, dass ein nahe an der Sonne vorbei ziehender
Stern (in einer Entfernung kleiner als 100 AU) die hohen Inklinationen verursacht haben könnte und auch für das Kuiperkliff verantwortlich sein könnte. Trifft dieses Szenario tatsächlich zu, besteht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, dass einige KBOs extrasolarer Herkunft sind (sie wären im Sonnensystem des vorbeiziehenden Sterns entstanden).