
Vor wenigen Monaten berichteten Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg von der Entdeckung des ersten Planeten, dessen Zentralgestirn noch von einer Staubsteibe umgeben ist. Sie konnten bei dem Stern TW Hydrae erstmals einen Planeten nachweisen, der sich entlang der zirkumstellaren Scheibe bewegt, aus der er erst vor Jahrmillionen entstanden ist (
planeten.ch berichtete). Jetzt stellt eine Forscherguppe um Ben Oppenheimer eine neue Aufnahme der Staubscheibe des jungen Sterns AB Aurigae vor, auf der ein punktartiges Etwas in einer Lücke in der Scheibe auf einen gerade entstehenden Planeten hinweisen könnte.
Mit dem 3,6 Meter großen Spiegel des
AEOS-Teleskops (das größte des Verteidungsministeriums), welches zur Air Force-Beobachtungsstation
AMOS (Air Force Maui Optical Station) gehört und auf dem 3.000 Meter hohen Haleakala auf der Hawaii-Insel Maui steht, wurden am 12. Dezember 2006 mehrere Bilder der Staubscheibe im polarisierten Licht und im Nahinfrarot (mit der Kamera "The Kermit") aufgenommen. Durch die Verwendung der adaptiven Optik, wodurch die Luftbewegung in der Atmosphäre beseitigt wird, konnten Aufnahmen in hoher Auflösung gewonnen werden, zusätzlich wurde für die detailierte Untersuchung des sternnahen Bereichs der Gas- und Staubscheibe der helle Stern mit einem Koronographen abgedeckt. Immerhin hat AB Aurigae eine Helligkeit von 7,0mag, daher ist er am Winterhimmel schon mit kleinsten Ferngläsern im Sternbild Fuhrmann zu sehen. Er ist 470 Lichtjahre entfernt, besitzt 2,4 Sonnenmassen und mit einem Alter von etwa 3 Millionen Jahren ist er noch ein recht junger Stern, in dessen Kern die Fusion von Wasserstoff zu Helium noch nicht gezündet hat.

Das Team fand auf den Aufnahmen in einer Entfernung von 100 AE (Astronomische Einheiten, Abstand Sonne-Erde) zum Stern eine große Lücke in der zirkumstellaren Scheibe: ein erstes Anzeichen für die Entstehung von mindestens einem kleinen Körper. In diesem relativ leeren Bereich entdeckte es außerdem - 0,7 Bogensekunden vom Stern entfernt - eine Punktquelle am äußeren Rand der Einbuchtung (siehe nebenstehendes Bild). Zwar ist sie für Oppenheimer (noch) nicht von großer Bedeutung, er bezeichnet sie als "low significance detection" (Entdeckung mit geringer Bedeutung), doch wenn der Lichtpunkt etwas Reales darstellt, könnte es entweder eine verdichtete Region sein, in der sich angesammelter Staub auf einen kleinen Körper fällt ("akkretiert" wird), oder aber die Aufnahme zeigt das Objekt direkt. Dann könnte es ein Körper mit der Masse von 5 bis 37 Jupitermassen sein; es wäre also ein Planet oder ein Brauner Zwerg. Doch was es von beiden letztlich wirklich ist, lässt sich zurzeit noch nicht sagen. Denn nach den gegenwärtigen Modellen gilt es als unwahrscheinlich, dass in diesem großen Abstand zum Stern bereits ein so großer Planet entstanden sein könnte.
Wie dem auch sei, Oppenheimers Team hat mit einem 3,6 Meter-Teleskop eine Punktquelle abgelichtet, die (wahrscheinlich) auf die Bildung eines kleinen substellaren Körpers hindeutet. So können wir mit den neuen Aufnahmen erstmals einen direkten Blick auf den Ort der gerade erst begonnenen Planetenenstehung werfen. In zukünftigen Untersuchungen können bestehende Theorien darüber überprüft und verfeinert werden. Was werden Nachfolgebeobachtungen durch noch größere/bessere Teleskope, die sicherlich folgen werden, zeigen?
Preprint:
The Solar-System-Scale Disk Around AB Aurigae
Nico Schmidt