
Im Sommer dieses Jahres untersuchte ein Forscherteam um Ray Jayawardhana den Stern mit der Bezeichnung 1RXS J160929.1-210524. Sie spektroskopierten und fotografierten ihn im Nahinfrarot -Bereich. Dabei entdeckten sie einen planetaren Begleiter, der sich in einer sehr weiten Entfernung von ca. 300 AE befindet.
Noch vor vielen Jahren war es denkbar nicht möglich, Planeten um andere Sterne direkt nachzuweisen, d. h. einen fotografischen Beweis zu liefern. Es galt die Maxime, dass das reflektierte Licht der fernen Planeten viel zu schwach sei und das Licht des Zentralsterns das Licht des Planeten überstrahlt. Lediglich mit indirekten Methoden, z. B. wie die Radialgeschwindigkeitsmessung konnten ferne, planetare Begleiter nachgewiesen werden. Seit einigen Jahren wissen wir aber, dass es doch durchaus möglich ist, kosmische Himmelskörper mit Planetenmassen fotografisch abzubilden und nachzuweisen.
Ein Forschenteam – bestehend aus David Lafrenière, Ray Jayawardhana und Marten H. van Kerkwijk – des kanadischen
Department of Astronomy and Astrophysics an der Universität von Toronto stellte nun ihre Ergebnisse über die Entdeckung eines neuen Planetenkandidaten vor. Der Planetenkandidat
1RXS J160929.1-210524 b ist ca. 300 AE von seinen Zentralstern entfernt und somit einer der weit entferntesten Planetenkandidaten. Seine Masse liegt bei ca. 8 Jupitermassen und seine Größe wird dabei auf 1.7 Jupiterradien geschätzt. Sein Zentralstern ist ein K7-Stern mit einer Masse von 0.85 Sonnenmassen. Er ist von der Sonne ungefähr 465 Lichtjahre (= 145 Parsec) entfernt und in der so genannen
Upper Scorpius-Sternassoziation aufzufinden (RA: 16h 09m 30s; Dec: -21° 04' 58''; J2000).
Bemerkenswert ist an den neuen planetaren Begleiter, dass er eine sehr große Entfernung zu seinen Zentralstern aufweist. Noch können die Forscher nicht genau sagen, ob der planetare Begleiter definitiv den Stern 1RXS J160929.1-210524 umrundet oder ob er nur scheinbar sich im Orbit des Sterns befindet. Eine Akkretion konnten die Forscher nicht entdecken.
Die Entdeckung des neuen planetaren Begleiter ist aber kein Einzelfall mehr. Es gibt schon einige Entdeckungen dieser Art. Sehr bekannt dürfte
2M1207 b sein, der mit einer Planetenmasse von 4 Jupitermassen seinen Zentralstern in einer Entfernung von 46 AE umrundet. Weitere ähnliche Öbjekte sind z. B.
GQ Lup b,
AB Pic b, SCR 1845 b und UScoCTIO 108 b. Solche Objekte weisen ebenfalls sehr hohe Entfernungen zum Zentralstern auf. Ihre Massen liegen sogar noch höher und gehen allmählich in den Massebereich der Braunen Zwerge über. Bei solchen "Grenzgängern" sehen einige Astronomen diese Objekte nicht mehr als Planeten, sondern nun als Braune Zwerge an.
1RXS J160929.1-210524 b im Katalog der Welten
Preprint:
Direct Imaging and Spectroscopy of a Planetary Mass Candidate Companion to a Young Solar Analog
Zu den Fragen der Gäste: @Beverly: Das Licht, das hier fotografiert wurde, stammt von dem Planeten selbst. Wenn sie jung und heiss sind, strahlen Planeten noch Licht aus. @Unbekannter Gast: Da es sich um eine Infrarotaufnahme handelt, ist die Farbe willkürlich und frei gewählt. Und nein, der Planet kann nicht aus gefrorenem Helium bestehen, erstens weil geforenes Helium in unserem Universum und seinen Naturgesetzen gar nicht existieren kann, und zweitens, weil der Planet eben so heiss ist, dass man ihn im Infrarotbereich fotografieren kann, was bedeutet, dass er deutlich über 1000 Grad heiss ist.