
Seit einigen Jahren wird den interessierten Lesern, die sich immer wieder gern über Exoplaneten informieren, eine jährliche Zusammenfassung über die wichtigsten Ereignisse und Entdeckungen von extrasolaren Planeten geboten. Auch dieses Jahr wieder gibt eine anregende Zusammenfassung.
Anzahl entdeckter Exoplaneten
Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass diese jährlichen Zusammenfassung mit der Anzahl entdeckter Exoplaneten beginnt. Man fragt sich, wie viele Exoplaneten im Jahr 2007 entdeckt worden sind und welche Exoplaneten es sind. Und hier ist die Antwort: In diesem Jahr wurde ca. 62 Exoplaneten entdeckt.
Die erfolgreichsten Monates des Jahres waren die Monate April, Juni und November gewesen. In diesen Monaten lag die Anzahl entdeckte Exoplaneten bei mindestens 10 Planeten. Nachfolgend nun eine Auflistung der Anzahl entdeckter Exoplaneten, die auf jeden Monat aufkommen:
Januar: 0
Februar: 5
März: 2
April: 10
Mai: 6
Juni: 11
Juli: 3
August: 0
September: 5
Oktober: 7
November: 10
Dezember: 4
Folgende Exoplaneten wurde im Jahr 2008 entdeckt: OGLE-06-109L b, OGLE-06-109L c, xi Aql b, HD 81688 b, 18 Del b, HAT-P-7 b, WASP-6 b, WASP-7 b, WASP-8 b, WASP-9 b, WASP-10 b, WASP-11 b, WASP-12 b, WASP-13 b, WASP-14 b, WASP-15 b, HD 45652 b, XO-5 b, CoRoT-Exo-3 b, CoRoT-Exo-4 b, CoRoT-Exo-5 b, MOA-2007-BLG-192-L b, HD 102272 b, HD 102272 c, HD 181433 b, HD 181433 c, HD 40307 b, HD 40307 c, HD 40307 d, HD 47186 b, HD 47186 c, HAT-P-9 b, 14 And b, 6 Lyn b, 81 Cet b, GJ 832 b, HD 154672 b, HD 205739 b, 1RXS J160929.1-210524 b, HD 131664 b, HD 60532 b, HD 60532 c, HD 153950 b, HD 20868 b, HD 145377 b, BD -17° 63 b, HD 48256 b, HR 8799 b, HR 8799 c, HR 8799 d, WASP-11 b / HAT-P-10 b, CT Cha b, Fomalhaut b, HD 191760 b, HD 191760 c, beta Pictoris b, HW Vir c, OGLE1-TR-L9 b, HAT-P-8 b, HD 183263 c und HD 181433 d.
Der Rekord mit dem am meisten entdeckten Exoplaneten pro Jahr lag im Jahr 2007 mit ca. 61 Exoplaneten. Die Anzahl hatte sich gegenüber dem letztem Jahr 2006 fast verdoppelt. Der Verhältnis der beiden Jahre 2007 und 2008 ist in etwa gleich geblieben. Der Rekord der entdeckten Exoplaneten konnte zwar nicht eindeutig übertroffen werden; man schaffte es aber, dass das Jahr 2008 gleichauf mit dem Jahr 2007 ist. Das heißt, beide Jahre teilen sich den 1. Platz nun teilen und es somit keinen eindeutigen Sieger gibt. Insgesamt beläuft sich die Gesamtanzahl entdeckter Exoplaneten auf über 330 Planeten.
Man muss allerdings anmerken, dass die ganzen Werte der Entdeckungen je nach verwendeter Quelle um einige wenige Exoplaneten (plus / minus 3) variieren können. Das kommt daher, dass einige Planetenkandiaten wegen ihrer sehr hohen Masse von einigen Personen als Braune Zwerge gehandhabt oder wegen ihren unbestätigten Entdeckungsstatus nicht mit gezählt werden.
Aufstieg der Supererden
Ein außerordentliches Merkmal des Jahres 2008 war die massenweise Bekanntgabe von Exoplaneten gewesen, der Planetenmassen z. T. unter 10 Erdmassen liegt. Bei solchen planetaren Exemplaren spricht man von "Supererden".
Alles angefangen hat es mit der Meldung einer großen Studie unter der Leitung von Christophe Lovis des Genfer Observatoriums, der die ersten Ergebnisse auf einer
Konferenz der IAU (International Astronomical Union) vorgestellt hatte. Diese IAU-Tagung fand vom 19. – 23. Mai in Boston statt. Das Thema war "Transiting Planets" gewesen. Auf dieser Tagung gab Christophe Lovis bekannt, dass Hinweise auf über 45 Exoplaneten mit Massen weniger als 30 Erdmassen gemacht hätten. Zudem gab es einige Exoplaneten mit Massen von weniger als 10 Erdmassen.
Schließlich wurden auch die ersten konkreten Planetenkandidaten auf dem internationalen Workshop
Extra Solar Super-Earths vorgestellt, der vom 16. - 18. Juni in Nances (Frankreich) stattfand und stand ganz im Zeichen der "Supererden". Die insgesamt 12 Exoplaneten, die dort erstmals veröffentlicht worden sind, haben in der Tat Planetenmassen, die größtenteils unter 10 Erdmassen lagen.
Direkte Abbildung von Exoplaneten
Völlig unerwartet hatte im 2. Halbjahr eine unabhängige Serien von Entdeckung extrasolarer Exoplaneten gesorgt, die ihr Höhepunkt im November 2008 fand: Die Rede ist von dem visuell direkten Nachweis einiger Exoplaneten.
Seit wenigen Jahren ist es möglich, extrasolare Planeten um andere Stern nachzuweisen. Angefangen hat alles im Jahr 2004, als damals ein direkter Nachweis des Exoplaneten den Braunen Zwergen 2M 1207 gelang. Kurze Zeit später gelang es auch einige deutschen Planetenjägern, ein extrasolares Objekt um GQ Lup visuell nachzuweisen. Schließlich fanden einige amerikanische Astronomen sogar ein extrasolarer Objekt um AB Pic. Das Problem bei den beiden zuletzt genannten Kandidaten ist aber, dass sie sehr hohe Massen haben, die schon am Grenzbereich zwischen Planet und Brauner Zwerg liegt. Einige Astronomen sehen diese Objekte daher nicht mehr als Planetenkandidaten an, sondern als Braune Zwerge. Auch 2 weitere Objekte aus dem Jahr 2006 – SCR 1845 b und UScoCTIO 108 b – folgen dieser Eigenschaft.
Während es im Jahr 2007 hingegen ruhig war, begann aber Ende Sommer 2008 die ganze Sache schon zu brodeln:
* Ein Forscherteam um Ray Jayawardhana untersuchte den Stern 1RXS J160929.1-210524; spektroskopierten und fotografierten ihn im Nahinfrarot-Bereich. Dabei entdeckten sie einen planetaren Begleiter, der sich in einer sehr weiten Entfernung von ca. 300 AE befindet, einer Planetenmasse von ca. 8 Jupitermassen hat und seine Größe von ca. 1.7 Jupiterradien.
* Einige Wissenschaftler der NASA haben sogar verkündet, dass sie konkrete Hinweise über die Existenz des schon lange vermuteten Planeten um dem Stern Fomalhaut besitzen und sie bald veröffentlichen wollten (was sie auch getan haben).
* Noch im selben Monat haben einige deutsche Planetenjäger um Tobias Schmidt von der Universitätssternwarte in Jena das weitere Objekt CT Cha b angekündigt, das visuelle aufgespürt und nachgewiesen konnte. Seine Masse wurde zwischen 11 – 23 Jupitermassen geschätzt; im Mittel liegt sie bei 17 Jupitermassen.
Und schließlich schlug die "Nachrichtenbombe" mit sogar gleich 2 Sentsationsmeldungen an denselben Tag im November ein:
* Astronomen, die am Keck-Observatorium auf dem Gipfel des Mauna Kea in Hawaii arbeiteten, war es zum ersten Mal in der Geschichte der Exoplanetenforschung gelungen, 3 Planeten eines fernen Planetensystems um HR 8799 direkt zu fotografieren. HR 8799 besitzt sogar eine dicke, massive Staubscheibe, die sich bis auf 300 Astronomische Einheiten (AU = Entfernung Sonne-Erde) hinaus ausdehnt.
* Aber noch am selben Tag kündigten Astronomen der NASA ebenfalls eine Meldung, dass sie mit Hilfe des
Hubble Space Telescope ein Schnappschuss eines weiteren extrasolaren Planeten um den bekannten Stern Fomalhaut gelungen ist. Die Masse des fotografierten Planeten wurde auf nicht mehr als 3 Jupitermassen geschätzt. Anhand der gemachten Aufnahmen vermutete man eine Entfernung von ca. 115 AE geschätzt. Dies entspricht einer Umlaufzeit von 872 Jahren und diese Umlaufzeit stellte im Verhältnis zur Planetenmasse einen neuen Rekord dar.
* Schließlich setzte ein französisches Astronomenteam eine weitere kleine Sensation noch drauf: Sie hatten mit Hilfe des
Very Large Telescope der ESO einen Himmelskörper entdeckt, der sich sehr nahe an der Sternscheibe von beta Pictoris befindet und innerhalb seiner Staubscheibe liegt. Mit einer projizierten Entfernung von 8 AE vom Zentralstern könnte es der seit langem vermutete Planet sein, der u. a. auch für die Krümmung in der Staubscheibe verantwortlich wäre. Diese Entdeckung ist aber leider noch nicht zu 100 % bestätigt.
Staubscheiben mischen mit
Auch in Sachen "Staubscheiben" gab es einige Entdeckungen:
* Im März 2008 stellte eine Forscherguppe um Ben Oppenheimer eine neue Aufnahme der Staubscheibe des jungen Sterns AB Aurigae vor, auf der ein punktartiges Etwas in einer Lücke in der Scheibe auf einen gerade entstehenden Planeten hinweisen könnte. Das Team fand auf ihren gemachten Aufnahmen in einer Entfernung von 100 AE zum Stern eine große Lücke in der zirkumstellaren Scheibe: ein erstes Anzeichen für die Entstehung von mindestens einem kleinen Körper.
* Einem Team aus japanischen Wissenschaftlern war es gelungen, eine protoplanetare Staubscheibe um den massereichen T-Tauri-Stern FN Tauri direkt fotografisch abzubilden. Bisher kannten die Astronomen nur sehr wenige protoplanetare Staubscheiben um T-Tauri-Sterne. Das japanische Team, dass FN Tauri untersuchte, bestand aus 15 Wissenschaftlern und wurde von Tomoyuki Kodo geführt.
* Ein wissenschaftliches Team von Astronomen, welches von von Jane Greaves geleitet wurde, hatte anfangs des Monat April 2008 auf der Tagung der
Royal Astronomical Society in Belfast mitteilt, Hinweis einen Planeten in der Staubscheibe des sehr jungen Sterns HL Tauri aufgespürt zu haben. Die Forscher nahmen an, dass vor 1.600 Jahren ein kleiner, dichter Bereich im Inneren der protoplanetaren Scheibe kollabierte, wodurch ein neuer Planet entstand. Der Gravitationskollaps, der zur Entstehung dieses Objekts führte, wurde durch eine nahe Passage eines Nachbarsterns ausgelöst, als sich dieser vor 1.600 Jahren an HL Tauri vorbei bewegte.
* Neue Beobachtungen mit dem
Spitzer Space Telescope zeigten, dass das Planetensystem um Epsilon Eridani zwei bisher nicht bekannte Asteroidengürtel besitzt. Die Beobachtungen des
Spitzer Space Telescope suggerieren bei dem äußeren der beiden entdeckten Asteroidengürtel sogar einen dritten, bisher noch nicht bekannten Planetenkandidaten. Er könnte für die Bildung des äußeren Asteroidengürtels verantwortlich sein.