
Erst diese Woche wurde über den direkten Nachweis eines neuen planetaren Begleiters berichtet (
planeten.ch berichtete) und schon kündigt sich eine nächste große Meldung dieser Art an. Während die letzte Service-Mission zum HST (Hubble Space Telescope) kurz bevorsteht, die kürzlich wegen des Hurrikans Ike auf den 10. Oktober verschoben werden musste, ist online ein "NASA Hubble Space Telescope Daily Report" verfügbar, in dem von einem direkten Nachweis eines jungen Exoplaneten gesprochen wird, bestätigt mit den ("alten") Kameras des Weltraumteleskops Hubble.
Bei den Beobachtungen eines nur 100 bis 300 Millionen Jahre alten Sterns, der noch von einer Staubscheibe umgeben ist, kam die ACS/HRC-Kamera zum Einsatz, bei der mit Hilfe einer Maske helle Zentralbereiche ausgeblendet werden, um so viel lichtschwächere Details fotografisch erfassen zu können, z. B. in der Umgebung eines Sterns. So wurde 2004 mit dem ACS-Koronograph der
Staubgürtel um Fomalhaut hochaufgelöst abgebildet. Mit der ACS/HRC-Kombination wurde nun im optischen und Nahinfrarot-Spektralbereich ein Kandidat für einen Exoplaneten entdeckt. Dieser umkreist den hellen Stern 18 AE (Astronomische Einheiten, Abstand Sonne-Erde) von der zirkumstellaren Staubscheibe entfernt. Und nicht nur das: Den Astronomen gelang dabei noch ein anderer erstaunlicher Nachweis. Sie konnten sogar die Bewegung des Planeten verfolgen, in einem Beobachtungszeitraum von nur 1 ¾ Jahren! Demnach umrundet der planetare Begleiter seinen Heimatstern gegen den Uhrzeigersinn.
Aus der Leuchtkraft und den Einfluss auf die Staubscheibe wurde eine Planetenmasse von maximal drei Jupitermassen abgeleitet. Und aus dem Alter des Sternsystems erhält man eine Oberflächentemperatur von etwa 400 Kelvin (127°C) und einen Massenbereich von 1,6 bis 3,4 Jupitermassen. Im optischen Bereich zeigte sich außerdem eine veränderliche Helligkeit, die von ionisiertem Wasserstoff (H-alpha-Emission) oder auch von einfallendem Komentenmaterial stammen kann. Auch eine Negativbeobachtung sorgte für eine Überraschung: Selbst mit adaptiver Optik konnte das Keck-Observatorium auf Hawaii den Exoplaneten nicht aufspüren. Jetzt sind Nachfolgebeobachtungen mit der NICMOS-Kamera des HST geplant, die zeigen sollen, ob die zusätzliche Strahlung vielleicht von einer Staubscheibe um den Planeten abgegeben wird oder durch passive Kühlung des massereichen, jungen Planeten entsteht.
Meldung von spaceref.com:
NICMOS Confirmation of an Extrasolar Panet Candidate Directly Detected with ACS
Nico Schmidt