
Gestern fand eine historische NASA-Newskonferenz statt. Das Team, das hinter dem Kepler-Weltraumteleskop steht, hat die Ergebnisse des ersten halben Jahres vorgestellt. Rund 1200 Planetenkandidaten wurden bekanntgegeben. Davon sind 68 von der Grösse der Erde (kleiner als 1.25 Erdradien), bis hinunter zur Grösse des Planeten Mars. Am häufigsten wurden Planeten von der Grösse des Neptuns entdeckt, rund 600 davon finden sich auf der Kandidatenliste. Kepler hat auch etwa 50 Planeten in der bewohnbaren Zone ihres Sterns entdeckt, davon sind 5 in etwa so gross wie die Erde.
Diese Presskonferenz markiert das Ende des Anfangs der Ära der extrasolaren Planetenentdeckungen. Diese Ära begann 1995 und war geprägt vom Pioniergeist, davon, die allerersten Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems zu finden und zu charakterisieren. Eine abzählbare Liste von Planeten war bald zusammen (am Anfang kannten wir ja noch alle beim Namen - 51 Pegasi, 70 Virginis, 47 Ursae Majoris, 55 Cancri, Tau Bootis...), und wuchs stetig. Und doch war allen immer bewusst: wir sehen hier nur die extremsten Planeten - jene, die nahe um ihren Stern kreisen und eine grosse Masse haben. Man versuchte sich in Abschätzungen über die wahre Häufigkeit verschiedener Planetentypen, doch eine solche konnte niemals vollständig sein. Es war eine Suche nach "Freaks", nach Planeten der Extreme, und "Freaks" hat man auch gefunden. Doch was ist mit Planeten wie der Erde? In 15 Jahren hat diese Planetensuche keinen solchen Planeten hervorgebracht: nicht, dass wir das hätten erwarten sollen. Die Messmethoden waren nie gut genug dafür. Planeten wie die Erde sind zu massearm, und zu weit von ihrem Stern entfernt, um wirklich messbar zu sein (zumindest mit heutigen Methoden).
Doch diese Zeit ist vorbei. Mit dem überwältigenden Erfolg von Kepler sind wir in der Zeit angekommen, in der Planetensysteme statistisch erfasst werden. Jeder Planet, jedes System ist nun nur noch eines unter vielen. Die Transit-Methode wird uns erlauben, auf einer soliden statistischen Basis herauszufinden, wie häufig Planeten aller Grössen (bis etwa hinunter zur Grösse des Mars) wirklich sind. Neue Teleskope werden nach Keplers Methoden den ganzen Himmel durchmustern, und hunderttausende von Planetenkandidaten hervorbringen. Viele davon werden in der bewohnbaren Zone sein, viele werden erdgross sein - es wird tausende von Zielen geben, auf die wir künftig unsere Teleskope richten und nach Spuren von Leben suchen können.
Diese neue Ära bedeutet auch das Ende der alten Planeten.ch-Seite in ihrer heutigen Form. Das Nachführen des Planetenkataloges wird immer aufwändiger und schwieriger. Nicht nur muss man die neuen Planeten eintragen, man muss auch verfolgen, wenn die Daten älterer Planeten aktualisiert werden. Mit tausenden von Kandidaten, und noch mehr in der Zukunft, ist das - als "Hobbyprojekt" - unmöglich geworden. Die Seite wird aber weiterleben, aber in einer neuen Form. Es wird hier aber natürlich weiterhin Informationen über die Planeten geben. Doch zu all dem später mehr. Für den Moment verweise ich auf andere Seiten, wo man mehr Details über die neuen Kepler-Planeten erhält: Eine gute Zusammenfassung findet sich hier:
kepler.nasa.gov
Beverly hat am 08.02.2011 18:13:56 geschrieben...
Das sind erfreuliche Nachrichten, aber ich habe trotzdem einige Fragen.
Meines Wissens entdeckt man auch mit der Transitmethode Planeten die groß bzw. sehr nahe an ihrem Stern sind leichter als kleine bzw. weiter entfernte Planeten. Bei einem erdähnlichem Planeten gibt es nur in Abständen von ca. einen Jahr einen Transit, bei weit außen kreisenden Planeten vergehen gibt es nur in Abständen von Jahrzehnten Transits. Vorausgesetzt, sie passieren die Sichtlinie zwischen ihrem Zentralstern und dem Teleskop.
Meines Erachtens liefert die Transitmethode so eine Menge sehr nahe um ihren Stern kreisender Planeten und der Erfolg von Kepler kommt dadurch, dass man viele Tausende Sterne untersucht und dadurch auch einige Planeten findet, die weiter außen kreisen. So kommt man auch zu erdähnlichen Planeten, aber Aussagen über die Häufigkeit von sternennahen im Vergleich zu weiter entfernten Planeten lassen sich so nicht machen.