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Kepler-Bonanza: 706 Exoplanetenkandidaten!


Das Kepler-TeleskopDas NASA-Teleskop Kepler, das während drei Jahren ein Feld mit rund 156'000 Sternen auf ihre Helligkeitsschwankungen überprüft, vermeldet die Entdeckung von über 700 Exoplanetenkandidaten. Dabei handelt es sich um Transits, also Bedeckungen eines Sterns durch einen seiner Planeten, was zu einem geringfügigen Abfall der Sternlichtintensität führt - die zu messen Kepler gebaut wurde.

Bemerkenswert ist, dass diese Planetenkandidaten (die alle noch durch Radialgeschwindigkeits-Messungen bestätigt werden müssen, bevor sie als tatsächliche Planeten gehandelt werden können) in den ersten etwa 33 Betriebstagen des Teleskops zusammenkamen. Während normalerweise mehrere Transits beobachtet werden müssen, bevor ein Transit-Planetenkandidat als solcher bezeichnet wird, reichte bei den Planeten in diesem Kandidatenset ein einziger Transit, um in den Kandidatenkatalog aufgenommen zu werden. Viele der Kandidaten wurden aber mehrfach beim Transit beobachtet.

Der Anteil an vermeintlichen Entdeckungen dürfte denoch relativ hoch sein: auf mutmasslich bis zu 50% beziffert ihn das Kepler-Team, auch höhere Anteile werden genannt. Das heisst, von den 700 Planetenkandidaten könnten am Ende vielleicht "nur" noch 350 übrig bleiben. Doch das ist immer noch eine gewaltige Zahl, gemessen daran, dass heute insgesamt etwa 450 extrasolare Planeten bekannt sind.

Das Kepler-Team veröffentlicht nun in einem ersten Rutsch 306 der Planetenkandidaten, die restlichen 400 werden für "follow-ups" (eingehendere Beobachtungen mit anderen Teleskopen und Methoden) durch das Kepler-Team noch zurückgehalten - erst im Februar 2011 sollen dann auch diese Daten veröffentlich werden. Es ist zu vermuten, dass die spannendsten Beobachtungen (etwa Planeten von einem Radius, der mit jenem der Erde vergleichbar ist) in den zurückgehaltenen Kandidaten zu suchen sind.

Trotzdem ist es möglich, mit dem nun veröffentlichten Datenset einige statistische Betrachtungen über die Häufigkeit und Eigenschaften von Exoplaneten anzustellen. Die Mehrheit der Planetenkandidaten etwa ist kleiner als Jupiter: je kleiner der Durchmesser, desto häufiger treten Planeten auf. Die Häufigkeit skaliert etwa mit dem inversen Quadrat zum Radius (oder ist umgekehrt proportional zur Oberfläche des Planeten. Planeten mit einer viermal so grossen Oberfläche sind also vier mal seltener). Der kleinste Planet im veröffentlichten Datensatz hat einen Radius von 1.6 Erdradien, der grösste 3.43 Jupiterradien (was unwahrscheinlich gross erscheint und möglicherweise auf ein Ringsystem zurückzuführen ist). Die Planeten haben typischerweise Umlaufszeiten von unter einem Tag bis zu rund 120 Tagen (so lange Umlaufszeiten können wohl aus der Geschwindigkeit, mit der der Planet vor seinem Stern vorbei zieht, ermittelt werden), wobei ein einziger Planet eine Umlaufszeit von über 10000 Tagen (oder 28 Jahre, ähnlich wie Saturn) aufweisen soll.

Planeten.ch wird die Entwicklung dieser Untersuchung weiterhin zeitnah verfolgen. Allerdings verzichten wir vorläufig darauf, die vollständige Kandidatenliste in den Katalog der Welten einzutragen. Sobald aber ein Planet aus der Kandidatenliste durch Radialgeschwindigkeits-Analysen bestätigt wird, wird er auch in den Katalog aufgenommen.


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Pink hat am 10.07.2011 09:34:55 geschrieben...

Thanks for sahirng. Always good to find a real expert.