
1991 schlugen die Astrophysiker Shude Mao und Bohdan Paczy'nski vor, man könne auch über Gravitationslinsen nach Planeten suchen. Mit dieser Suchmethode fand man bis heute vier extrasolare Planeten, zwei jupiterähnliche Gasriesen und zwei schwere Supererden. Doch wie funktioniert dieses Verfahren? Wenn ein Stern (Linse) vor einem Hintergrundstern (Quelle) vorbeizieht, wird das Licht der Quelle durch die Gravitation des Vordergrundsterns wie bei einer Linse gebündelt. Dadurch wird ein Helligkeitsanstieg sichtbar. Wenn jedoch der Vordergrundstern zusätzlich einen Planeten beheimatet, erzeugt dieser seinerseits eine - wenn auch schwächere - weitere Verstärkung des Lichts der Quelle. Ein fernes Planetensystem verrät sich also durch zwei kurze (wenige Tage dauernde) "Lichtimpulse".
Im Gegensatz zu den sehr erfolgreichen üblichen Suchverfahren (wie Radialgeschwindigkeits-Messung und Transits), können mit dieser Methode sogar weit entfernte Planeten in der Milchstraße nachgewiesen werden und außerdem lassen sich damit nicht nur Gasplaneten, sondern auch Felsplaneten entdecken. Doch ein großer Nachteil ist, dass es denkbar unwahrscheinlich ist, einen mit dem Mikrolinseneffekt entdeckten Planeten genauer zu untersuchen. Solche Ereignisse sind einmalig, wodurch sich die ermittelten Daten auch nicht überprüfen lassen.
Und da Mikrolinseneffekte sehr selten sind, gilt es eine große Zahl von Sternen gleichzeitig zu beobachten. Gegenwärtig werden mit den Teleskopen der Suchprogramme OGLE und MOA rund 100 Millionen Sterne im galaktischen Bulge, der zentralen Verdickung der Milchstraße, allnächtlich überwacht. Desweiteren wird unter der Projektbezeichnung MOA-II ein 1,8 Meter-Teleskop in Neuseeland 10- bis 50-mal pro Nacht auf den Himmel gerichtet. Es überwacht eine Himmelsfläche von etwa 50 Quadratgrad, dies entspricht einem Viertel der Fläche des Pegasus-Quadrates.
Und tatsächlich fand man erst kürzlich neue Kandidaten für extrasolare Planeten. In den ersten drei Quartalen von 2007 wurden mehrere 100 Mikrolinsenereignisse aufgezeichnet. Nach der vorläufigen Datenauswertung enthalten sie vier neue Planeten-Kandidaten, die zwischen Mai und September 2007 entdeckt wurden. Nach der abschließenden Analyse ist mit ihrer Veröffentlichung im nächsten Jahr zu rechnen. Das würde die Zahl an Microlensing-Planeten auf einen Schlag verdoppeln.
Preprint:
Microlensing search for extrasolar planets: observational strategy, discoveries and implications