
Letzte Woche fand in Santorini die "Extreme Solar Systems"-Konferenz statt. Dort wurde die Entdeckung von vielen neuen extrasolaren Planeten (Exoplaneten) angekündigt. Der Betreiber des Wissenschafts-Blogs
Dynamics of Cats nahm an der Konferenz teil und informierte über sein Blog die interessierte Öffentlichkeit über die neuen Entdeckungen.
Dies sind die kommenden Highlights (alle Entdeckungen werden in den nächsten Wochen und Monaten (maximal Jahren) in wissenschaftlichen Publikationen erscheinen und dann sicher auch ihren Weg in die Medien finden):
* Ein "Jupiter"-Planet auf einer ähnlichen Bahn wie "unser" Jupiter. Das heisst, nach 10 Jahren hat man nun endlich ein Sternsystem gefunden, das unserem eigenen einigermassen ähnlich ist: zwischen dem entdeckten "Jupiter" und seinem Stern ist noch viel Platz für (derzeit nicht zu entdeckende) Felsplaneten.
* Ein Planet im Orbit um einen Weissen Zwergstern (Weisse Zwergsterne sind das, was am Ende des Lebens eines typischen Sterns übrig bleibt - auch unsere Sonne wird in ferner Zukunft zu einem Weissen Zwergstern von der Grösse der Erde werden).
* Die Schweizer Gruppe um Michel Mayor und Stephane Udry hat 12 neue Planeten angekündigt, viele davon auf grossen Umlaufbahnen (5 Jahre und mehr für einen Umlauf) bei niedriger Exzentrizität. Offenbar zeichnet sich langsam ab, dass Riesenplaneten mit Umlaufzeiten zwischen 10 und 100 Tagen eher selten sind. Weiter scheint es, als wären Planeten mit Massen zwischen 50 und 100 Erdmassen (mehr oder weniger zwischen der dreifachen Neptun- und einer Saturnmasse) eher selten: offenbar bleiben Planeten entweder klein, oder sie werden zu grossen Gasriesen.
* Wenn man die bis heute gefundenen Planeten auf alle anderen Sterne extrapoliert, haben wohl rund 25% aller Sterne grosse Exoplaneten.
* 30 bis 50 Kandidaten mit einer Masse ähnlich jener des Neptuns sind noch in der Pipeline (es müssen noch mehr Daten gesammelt werden, bis sie veröffentlicht werden können).
* Viele Sterne, von denen man weiss, dass sie einen Planeten haben, zeigen Anzeichen, dass da noch mehr Planeten sein könnten: Multiplanetensysteme dürften häufig sein.
* Die beiden sonnennahen roten Zwergsterne "Barnards Stern" und "Proxima Centauri" wurden nach Planeten abgesucht - Während Barnards Stern weiterhin unverdächtig ist, gibt es bei Proxima Centauri (dem sonnennächsten Stern überhaupt) eine gute Chance, dass sich da Planeten verbergen könnten.
* Es werden immer mehr Planeten um Riesensterne entdeckt: einige von ihnen haben offenbar die Ausdehnung ihres sterbenden Sterns bis nahe an ihren Orbit überlebt.
* Es gibt einen weiteren Transit-Neptun-Kandidaten, sowie einen weiteren Transit-Planeten vom TrES-Team - auch dieser Planet soll "aufgebläht", also deutlich grösser als seine Masse dies erwarten lässt, sein. Dafür gibt es jetzt auch neue Modelle: bereits ein wenige Erdmassen schwerer Planet auf einer äusseren Umlaufbahn könnte dieses "Aufblähen" verursachen. Auch bei COROT scheint sich eine Entdeckung abzuzeichnen, gemessen an der Zurückhaltung des Teams.
* Einige Neuigkeiten zu Pulsar-Planeten, unter anderem zu B1620-26, um den bereits ein Planet bekannt ist.
* Eine neue Planetenentdeckungs-Strategie steht an, doch das ganze steht noch unter einem "Nature"-Embargo.
* Ein neues Modell erklärt, wie auf der einen Seite all die exzentrischen Gasriesen-Planetensystem entstehen, auf der anderen Seite aber auch "ruhige" Systeme wie unser eigenes auftreten können: möglicherweise entstehen Planetensysteme zuerst sehr "dicht gepackt", und so bald die Planeten anfangen, zu "migrieren" (sich auf den Stern zu- oder wegzubewegen), fällt das System auseinander: je nach Verteilung der Planetenmassen ergibt sich dann ein System, das unserem ähnelt oder eben eines, in dem die Gasriesen auf exzentrischen Bahnen um ihren Stern kreisen (in einem solchen System haben dann Felsplaneten keine oder nur geringe Chancen...) - dazu später mehr.
* Gemäss einer sehr interessanten Simulation des frühen Sonnensystems lassen sich die heutigen Verhältnisse am besten erklären, wenn es einst noch einen weiteren "Eisriesen" (von der Grösse von Uranus und Neptun) gab, der in den interstellaren Raum oder in die Oortsche Wolke geschleudert wurde. Auch das ist ausserordentlich interessant - dazu später mehr.
* Das OGLE-Team hat gleich zwei neue Microlensing-Planeten angekündigt - im selben System! Da die Chance für ein solches Ereignis (Gravitationslinsen) sehr klein ist, deutet auch das darauf hin, dass die meisten Sterne viele Planeten haben müssen.
* Eine Menge neuer Geräte stehen für die Exoplanetenjagd bereit - es zeichnet sich langsam ab, dass die Entdeckung von Exoplaneten immer einfacher wird - ihre Bestätigung durch unabhängige Beobachtung aber immer schwieriger, weil Teleskopzeit, Personal und Geld dafür fehlen.
* Es ist gemäss neuen Simulationen gut möglich, dass "Ozean-Planeten" (also Felsplaneten mit viel Wasser) sich mit Hilfe der Plattentektonik in Richtung flache Ozeane (aus denen Kontinente aufsteigen können) regulieren.