Krater Occator (Quelle: Dawn/NASA).

Rendezvous mit Occator

Die NASA-Raumsonde Dawn nähert sich langsam ihrem tiefsten Orbit um den Zwergplaneten Ceres. Ab dem 16. Dezember 2015 wird sie eine Höhe von 375 km über der Ceres-Oberfläche erreicht haben – und den Zwergplaneten einmal alle 5.5 Stunden umkreisen. Aus dieser Höhe kann sie dann Aufnahmen mit einer Auflösung von nur gerade 35 m pro Pixel machen. Neben anderen Zielen interessiert ein Krater besonders: Occator.

Der Krater Occator, Durchmesser 92 km, benannt nach einem römischen Erntegott, enthält das mittlerweile bekannteste Oberflächenmerkmal von Ceres: einen extrem hellen Fleck, von dem nicht klar ist, worum es sich genau handelt. Ceres‘ Oberfläche hat sonst etwa die Helligkeit (genauer: die Albedo) von Teer – aber dieser Fleck ist etwa so hell wie Eis im Ozean. Die im Projekt involvierten Wissenschaftler hoffen, aus dem LAMO („Low Altitude Mapping Orbit“ = Tiefer Kartierungs-Orbit) endlich bestimmen zu können, woraus das helle Material besteht. Man vermutet, dass es sich um eine Mischung aus Salzen und Wassereis handelt, doch erst aus dem tiefsten Orbit lässt sich das mit Sicherheit feststellen.

Beobachtet hat man auch, dass sich jeden Morgen (ein Tag auf Ceres dauert nur 9 Stunden) ein leichter Nebel innerhalb von Occator bildet – vermutlich Wasserdampf. Ceres könnte demnach ein Himmelskörper sein, der ursprünglich im Kuipergürtel, also jenseits von Neptun entstand, und der durch die Bewegungen der Gasriesen in der Frühzeit des Sonnensystems in den Asteroidengürtel „verpflanzt“ worden sein. Wie bei „erloschenen“ Kometen hätte sich dann durch die Verdampfung von Wassereis eine Schicht aus dunklem organischem Material gebildet, die das Eis darunter vor weiterer Verdampfung schützt – ausser wenn diese schützende Schicht durchbrochen wird, etwa durch einen Einschlag – wie vielleicht gegenwärtig in Occator.

Die Raumsonde Dawn hat also ab Mitte Dezember ein wichtiges Rendezvous – mit einem mysteriösen weissen Fleck.

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