
Bisher kennen die Astronomen nur sehr wenige protoplanetare Staubscheiben um T-Tauri-Sterne. Nun ist es einem Team aus japanischen Wissenschaftlern gelungen, eine solche protoplanetare Staubscheibe um den massereichen T-Tauri-Stern FN Tauri direkt fotografisch abzubilden.
Bisher bekannte T-Tauri-Sterne mit abgebildeten protoplanetaren Staubscheiben sind z. B. AB Aurigae, GM Aurigae und TW Hydrae. Planeten.ch berichtete in vergangener Zeit über neue Entdeckungen in Sachen "Exoplaneten & Staubscheiben bei T-Tauri-Sterne" (z. B.
AB Aurigae: Planetenentstehung direkt beobachtbar?). So ist es auch bereits Ende des Jahres 2007 gelungen, einen Exoplaneten um
TW Hydrae zu entdecken (->
Erster Planet in einer Staubscheibe entdeckt).
Das japanische Team, dass FN Tauri untersuchte, bestand aus 15 Wissenschaftlern und wurde von Tomoyuki Kodo geführt. Als Koronographenkamera mit adaptiver Optik wurde CIAO (= Coronographic Imager with Adaptive Optics) am SUBARU verwendet. SUBARU (japanisch für "Plejaden") ist ein 8.2-Meter-Teleskop des japanischen Nationalobservatoriums auf dem Vulkan Mauna Kea in Hawaii.
Der untersuchte Stern FN Tauri ist ein so genannter T-Tauri-Stern. Bei solchen Sternen handelt es sind um sehr junge Sterne, die erst wenige Millionen Jahre alt sind. Ihre Massen können bis zu 3 Sonnenmassen betragen. T-Tauri-Sterne zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Akkretionsscheibe besitzen, die sich aber im Verlauf von etwa 8-10 Millionen Jahren verflüchtigt. Meistens besitzen T-Tauri-Sterne auch zwei "Jets": dabei handelt es sich um bipolare Gasströme, die von den Polen des Sterns wegströmen.
FN Tauri selbst ist nur ein Fliegengewicht unter den T-Tauri-Sternen. Die Sternmasse liegt bei nur 12% der Masse unserer Sonne. FN Tauri ist ca. 460 Lichtjahre von uns entfernt und befindet sich in der so genannten Taurus-Auriga-Assoziation. Dieses große Sternentstehungsgebiet befindet sich in den Sternbildern Stier und Fuhrmann.
Staubscheiben um T-Tauri-Sterne sind in der Regel mögliche Indikatoren für die Entstehung von Planetensystemen. Wenn man es schafft, protoplanetare Staubscheiben direkt photographisch abzubilden, dann kann man die Ausmaße der Staubscheibe ermitteln und sogar die Verteilung des Staubs in der Scheibe untersuchen. Je nachdem, ob Verdichtungen oder Lücken in der Staubscheibe vorhanden sind, können Rückschlüsse auf (Proto-)Planeten gezogen werden, welche mit ihrer Gravitation die Staubscheibe beeinflussen, selbst aber nicht erkennbar sind.
Da FN Tauri aber eine sehr geringe Sternmasse besitzt, erwartet man in dieser Staubscheibe eher keine Planeten von der Größe Jupiters. Die Staubscheibe ist insgesamt nur etwa sieben Mal so schwer wie Jupiter, was für die Bildung so grosser Planeten nicht ausreichend ist - das Material ist dafür über die gesamte Breite der Scheibe (einige 100 Astronomische Einheiten) einfach zu dünn verteilt. Man kann aber davon ausgehen, dass sich in den inneren Bereichen der Staubscheibe Felsplaneten von der Größe von Erde und Mars bilden - weitere Erkenntnisse über die Entstehung von solchen Felsplaneten werden, so hofft man, auch die Suche nach Leben im All weiter voran bringen.
Quellen:
* Sterne & Weltraum 4/2008, S. 24-26
* Tomoyuki Kudo et al.: Discovery of scattering disk around the low-mass T Tauri star FN Tauri. Astrophysical Journal 637, L67-L70 (2008)
Michael Johne