
Für manche klang es wie ein Aprilscherz, als gestern am 1. April über die Entdeckung von 10 neuen Exoplaneten berichtet wurde. Und auch mit der Bebilderung, die einen achtäugigen Technikkoloss zeigt (siehe Foto), wirkte die Meldung nicht sehr glaubwürdig. Doch Tatsache ist, dass es sich dabei weder um eine Falschmeldung, noch um ein ausgedachtes Instrument handelt. Von diesem Hightech-Teleskop gibt es sogar zwei Exemplare: Während eines auf der Kanareninsel La Palma stationiert ist, wurde das zweite in Südafrika errichtet. Jede der insgesamt 16 Canon-Kameras besteht aus einem 200mm-Objektiv, außerdem besitzen sie jeweils einen CCD-Chip mit einer Auflösung von 4,2 Megapixeln. Jede Sternwarte ist also im Grunde eine 33,6 Megapixel-Digitalkamera. Zur Überwachung der großen Sternfelder werden in kurzen Zeitabständen neue Bilder aufgenommen, um auch die kleinsten Lichtwechsel in der Sternhelligkeit registrieren zu können. So entsteht während einer Beobachtungsnacht eine Datenmenge von 60 GB und mehr, eine heute typische Größe einer PC-Festplatte.
Die Planetensuche mit SuperWASP (WASP = Wide Angle Search for Planets), so der Name des Projekts, konnte bereits im September 2006 den ersten Erfolg vermelden: zwei heiße Exoplaneten in den Sternbildern Andromeda und Delphin. Im vergangenen Herbst folgte dann die nächste Veröffentlichung, darunter waren mit WASP-4b und WASP-5b auch die ersten Transitplaneten, die mit dem SuperWASP-South in Südafrika entdeckt wurden (
planeten.ch berichtete). Auf dem noch bis zum 4. April in Belfast laufenden National Astronomy Meeting der Royal Astronomical Society wurden jetzt die neuesten Ergebnisse von SuperWASP vorgestellt. Wie Don Pollacco, ein Mitglied des Entdeckerteams, auf der Tagung berichtete, konnten sie bei Beobachtungen im letzten halben Jahr zehn extrasolare Planeten mit der Transitmethode erspähen. Mit Untersuchungen des Nordic Optical Telescopes auf La Palma, des Swiss Euler Telescope in Chile und des Observatoire de Haute Provence in Südfrankreich konnten die Planeten auch bereits bestätigt werden. Ihre Massen liegen zwischen 0,5 und 8,3 Jupitermassen. Darunter ist auch WASP-12b, der für einen Umlauf um seinen Stern nur 1,1 Tage benötigt. Sein Abstand muss demnach bei rund 2,5 Millionen Kilometer liegen, so dass seine Oberläche auf 2.600 Kelvin (2.300°C) aufgeheizt werden könnte. Ein ähnlicher extrem heißer Gasriese ist HAT-P-7b (
planeten.ch berichtete).
Damit sind die automatischen Teleskope des SuperWASP-Projekts die erfolgreichsten Planetenjäger für Transit-Planeten. Eine Übersicht über alle 15 bisher entdeckten WASP-Planeten gibt es mit
dieser Grafik. Damit sind jetzt 45 Transitplaneten bekannt.
Die zehn neuen Planeten im
Katalog der Welten:
WASP-6 b,
WASP-7 b,
WASP-8 b,
WASP-9 b,
WASP-10 b,
WASP-11 b,
WASP-12 b,
WASP-13 b,
WASP-14 b,
WASP-15 b
Pressemitteilung der Tagung:
The (Super)WASP Factory finds 10 new Planets in the last 6 Months
Nico Schmidt